Neuerwerbungen

Ernst Herter: Antigone und Orestes

02.05.2017 09:00

Ernst Herter: "Antigone" und "Orestes"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ernst Herter  

Antigone  

zwischen 1869 und August 1872 (Modell) / 1873 (Marmor) / vor 6. September 1874 (Zinkguß)

Zink

78,9 x 29,2 x 25,8 cm

Inv.-Nr. 2015.032

 

 

Zwei Schlüsselfiguren klassischer Tragödien des Sophokles treten uns in diesen Zinkplastiken gegenüber. Antigone, tragische Heldin des gleichnamigen Stückes, wird offenbar in dem Moment gezeigt, in dem sie die Theben verläßt, um ihren Bruder Polyneikes unerlaubt zu bestatten. Den Blick nach links gewandt, trägt sie rechts auf Hüfthöhe und wie vor jemand in Blickrichtung verbergend eine Amphora, wohl mit Salböl für die Bestattung. Orest, den Griff eines hier verlorenen Schwertes in der Hand, wird offenbar in der Situation kurz vor oder nach der Ermordung seiner Mutter Elektra gezeigt. Der korinthische Helm zu seinen Füßen verweist noch auf den seinerseits von Elektra ermordeten Vater und griechischen Heerführer Agamemnon.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ernst Herter  

Orestes  

vor 14. November 1873 (Gips) /

1873 (Zinkguß)

Zink

79,1 x 30,6 x 30,9 cm

Inv.-Nr. 2015.031
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Die "Antigone" entstand als eine der ersten freien Arbeiten Herters nach einer Studienreise nach Kopenhagen im Jahre 1866. Ab 1869 teilte Herter sich ein Atelier mit Friedrich Reusch und begann, eigene Entwürfe umzusetzen. Das Modell zur "Antigone" wurde bereits auf der Berliner Akademie-Ausstellung 1872 gezeigt, mit dem bemerkenswerten Kataloghinweis, daß bereis zu diesem Zeitpunkt eine Marmorausführung durch Kaiser Wilhelm I. höchstselbst bestellt worden sei. Letztere befindet sich heute im Garten der Schloßbibliothek in Bad Homburg vor der Höhe (1873, Marmor, Höhe 158,5 cm, Inv.-Nr. 3.2.6). Das erst später entstandene Gipsmodell zu "Orestes" präsentierte Herter erstmals auf der Berliner Kriegs-Ausstellung 1873, im Folgejahr lieferte er eine Version als galvanisch verkupferte Zinkplastik zur Berliner Akademie-Ausstellung ein. Der Katalogeintrag listet eine Ausführung der "Antigone" gleichen Materials, so daß die eigentlich unzusammengehörigen Figuren offenbar als eine Art sophokleische Gruppe präsentiert wurden.

 

Da bislang keine weiteren Exemplare durch die Forschung nachgewiesen werden konnten, liegt die Vermutung nahe, daß es sich bei den durch LETTER Stiftung erworbenen Plastiken um eben diese Figuren handelt, die Herter 1874 ausstellte. Damit konnten zwei der frühesten Arbeiten Herters, welche lange Zeit als verschollen galten (vgl. das Werkverzeichnis von Brigitte Hüfler, 1978) nun glücklicherweise für die kunsthistorische Forschung wiederentdeckt werden.

 

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