Wer kennt es?

„Die Sachsen an der Beresina“

01.12.2018 09:00

Folge von 27 Lichtdrucken nach aquarellierten oder lavierten Feder- bzw. Bleistift- / Kreidezeichnungen mit Feder.

 

 

Unbekannt (P., S.)

Die Sachsen an der Beresina

 
Einband aus olivgrünem, strukturiertem Karton,
auf Vorderdeckel vertiefte typographische Titelprägungin Gold,
auf Rückdeckel typographisch gedruckte Angabe der Druckerei;
mit grün-weißer Kordelbindung und Klammerheftung eingebunden
27 Lichtdrucke in Schwarzbraunnach aquarellierten oder lavierten
Federzeichnungen sowie Bleistift- und / oder Kreidezeichnungen
mit Feder, auf chamoisfarbenem, festem Velin,
mit zwischengebundenen Seidenpapier-Trennblättern

wohl 1917

ohne Verlagsangabe (Druck: Zwickau, Druckerei Förster & Borries)

22,7 x 30,5 cm (Umschlag)

20,8 x 29,5-29,6 cm (Maße Blätter)

Inv.-Nr. 2017.148.000-2017.148.027

 

 

Über den Urheber dieses Werkes wissen wir bislang wenig mehr als seine Initialen: S.P. So signierte er Zeichnungen vom Einsatz im I. (sächsischen) Bataillon während des Ersten Weltkrieges. Dieses gehörte seit dem Juni 1915 zum Infanterie-Regiment Nr. 329 und war als Teil der deutschen 83. Infanterie-Division im heutigen Weißrußland eingesetzt. Die Division bestritt von Ende September 1915 bis April 1917 Stellungskämpfe an den Flüssen Beresina (Bjaresina), Olschanka und Krewljanka.

 

Vor allem die dabei entstandenen Befestigungsbauten dokumentierte der vermutlich nicht akademisch ausgebildete Künstler in insgesamt 27, zumeist 1916 (in einem Fall auf 1917) datierten Darstellungen. Im Lichtdruck vervielfältigt, bilden sie das in der Zwickauer Druckerei Förster & Borries hergestellte Heft „Die Sachsen an der Beresina“. Die Technik der Originale – sorgfältig und womöglich farbig ausgeführte Handzeichnungen – ist nicht sicher bestimmbar. Die Publikation richtete sich an die Kameraden und wohl auch Vorgesetzten des Künstlers. Solche Werke dienten nicht nur der Erinnerung, sondern auch als Anschauungsmaterial für die Angehörigen an der „Heimatfront“. Die mit Liebe zum Detail gestalteten Darstellungen zeigen außer der meist menschenleeren Landschaft die verschiedensten Arten der im Hinterland der Front durch die Soldaten errichteten Behausungen.

 

Häufig arrangierte der Zeichner verschiedene Ansichten – gleich einem Photo-Album – zu einer Komposition. Viele Bilder tragen vergleichbare informative Aufschriften.

 

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Aus der Stellung des I. Bataillons des Infanterie-Regiments 329, Rußland 1916, Inv.-Nr. 2017.148.002

 

Der hier dargestellte „Hoffmannsbau“ ist wohl nach General Max Hoffmann benannt, einem Strategen im Stab Paul von Hindenburgs (diesen zeigt Bild 01) und Erich Ludendorff sowie schließlich Generalstabschef beim deutschen Oberbefehlshaber Ost. Bislang unidentifiziert ist der Ort Slaikowschtschisna (auf anderen Darstellungen Sleikowschtschisna und Sleikowschzisna). Vergleichbare, von S.P. gezeichnete Befestigungsbauten sind die „Kronprinz-Georg-Feste“, benannt nach dem an Ost- wie Westfront als Generalstabsoffizier eingesetzten Kronprinzen. Auch schon vorhandene Örtlichkeiten erhielten deutsche Namen, etwa die markante „Sachsen-Kiefer“ oder die nach Zu-Wischnew (eine weitere ansonsten nicht nachgewiesene Ortschaft) führende „Tröger-Straße“.

 

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Zugführer-Unterstand „Glück-Auf“, Inv.-Nr. 2017.148.026

 

Der Versuch, in der Fremde Heimat zu schaffen, setzt sich in der Gestaltung der auf Zeit errichteten, aber aufgrund ihrer individuellen Architektur kaum mehr provisorisch wirkenden Behausungen fort.

 

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Offiziers-Kasino, Inv.-Nr. 2017.148.011

 

Das Offizierskasino wartete mit Annehmlichkeiten auf: In von den Rekruten (auch künstlerisch) ausgestatteten Räumen fanden sich die höherrangigen Militärs zum mehr oder weniger geselligen Beisammensein ein. Ruhe fand man im Lesezimmer.

 

Bei aller dokumentarischen Genauigkeit mancher Kompositionen fehlen – anders, als bei den meisten vergleichbaren Publikationen dieser Zeit – nicht nur die Angaben zum Zeichner, sondern auch zu möglichen Auftraggebern. Vielfach war dies das Regiment bzw. dessen Kommandeur selbst, und nicht selten begleitet ein Text zum Einsatz, etwa in Form eines Vorwortes, die Veröffentlichungen.

  

Weitere Hinweise zur Identität des Künstlers sowie zum Einsatz oder zur Identifikation der von ihm dargestellten Orte sind folglich willkommen!

 

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